Gedenkfeier Opfer des Nationalsozialismus am 27.1.2024 

Meldung vom

Ansprache des Bürgermeisters zum Gedenktag

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

ich darf Sie alle heute Abend sehr herzlich, auch im Namen der kath. und ev. Kirche und meiner Stellvertreter Jutta Manstein und Heinz Willi Ruiters begrüßen. Ein besonderer Gruß geht an Pfarrer Börner von der ev. Kirche und Diakon Guido Hagedorn von der Kath. Kirche, Herrn Kulbach, Frau Finke, LK Geschichte Q2,  und Zerwas von der Gesamtschule und den Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Much, verbunden mit dem Dank für ihre Beiträge zum heutigen Gedenktag. Ich freue mich, dass die Gesamtschule so aktiv ist. Heute ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. An diesem Tag erinnert man sich an die über sechs Millionen Jüdinnen und Juden und die vielen anderen Opfer, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden.
Befreiung des KZ Auschwitz
Heute vor 79 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Im KZ Auschwitz wurden während des Nationalsozialismus etwa 1,5 Millionen Juden sowie viele tausend Sinti, Roma und Polen umgebracht. Auch sowjetische Kriegsgefangene und Häftlinge unterschiedlicher Nationalitäten wurden hier gefoltert, gequält und ermordet. In Auschwitz, nicht weit von Krakau/ Polen entfernt, hatte die SS ab April 1940 das größte ihrer Arbeits- und Vernichtungslager bauen lassen. In dem Hauptlager Birkenau befanden sich Gaskammern und Verbrennungsöfen, in denen die Menschen getötet wurden. In der Umgebung gab es 45 Zwangsarbeitslager. Als Auschwitz befreit wurde, bot sich den Soldaten ein entsetzliches Bild: bis auf die Knochen abgemagerte Menschen, die den Horror überlebt hatten, 
kauerten neben Tausenden von Leichen. Manche von ihnen waren zu schwach, dass sie gar nicht mehr gehen konnten. 
Auch 79 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz beobachten wir ein Wiedererstarken des Antisemitismus in Deutschland und Europa und sowie Zunahme antisemitischer Gewalttaten. Das Erstarken der AFD und deren Geheimtreffen, wo über die sog. Remigration von Flüchtlingen gesprochen wurde, lassen klares Nazi-Denken erkennen. Die Hamas hat sich mit ihrem Pogrom vom 7. Oktober in eine lange und teuflische Tradition des Antisemitismus eingereiht.
Vor diesem Hintergrund ist die Auseinandersetzung mit den bedrückendsten Wahrheiten unserer Geschichte besonders gefordert.
Die deutsche Verantwortung für die Shoah, den Massenmord an 6 Millionen Jüdinnen und Juden während der NS-Zeit, prägt das Verhältnis des deutschen Staates zum Judentum und zu Israel. Vor einem Dreivierteljahrhundert lagen die Staaten Europas nach dem von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche. 
Auch in diesem Jahr haben wir die Gedenkfeier unter die Überschrift GeDenken – NachDenken – Erinnern gestellt. 
Wir hier in Much haben eine besondere Verantwortung, im Hinblick auf das ehemalige Reichsarbeitsdienstlager am Walkweiher. Es waren Sammellager wie jenes in Much, die für die Juden die erste Station ihrer Freiheitsberaubung darstellten. Heute erinnert ein Gedenkstein an die Juden aus dem Rhein-Sieg-Kreis, die von hier aus in den Tod geschickt wurden.  An den Seiten des Gedenksteines finden sich drei Tafeln mit Name und Alter aller hier zwischen 1941 und 1942 internierten Personen. Der im Jahre 2015 verstorbene Prof. Bruno Reifenrath aus Much hat 1982 ein „Buch des Gedenkens“ - Die Internierung der Juden in Much herausgegeben. 
In einer Schweigeminute wollen wir der in deutschem Namen begangenen Verbrechen an den Menschen gedenken, insbesondere der 114 Frauen, Kinder und Männer, die von Much aus in den Tod geschickt wurden.
Abschließend noch ein kurzer Hinweis zu einer interessanten Veranstaltung zum heutigen Thema. Am Samstag den 17. Februar, um 19.30 Uhr findet im Landhaus  Inselhof eine Lesung mit Buchautor Louis Pawellek und dem Holocaust-Überlebenden Thomas Gabelin statt. 

Much, den 27.01.2024
Norbert Büscher
Bürgermeister